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FM - DAS FUNKMAGAZIN
Hobbyfunk-News

14.10.2012
Update: 16.10.2012

Diskussionen um Entwurf einer neuen Powerline-Norm

Für Diskussionen sorgt der Entwurf einer neuen Norm, mit der u.a. neue
Störgrenzwerte für Powerline-(PLC-)-Anwendungen festgelegt werden.

Powerline-Anwendungen stehen seit vielen Jahren in der Kritik, weil bei dieser
Art der Datenübertragung hochfrequente Signale auf ungeschirmten Stromleitungen
übertragen werden. Durch die fehlende Abschirmung wirken die Stromleitungen wie
Antennen und können dadurch erhebliche Störungen insbesondere im
Kurzwellenbereich erzeugen.

Zur Zeit sind die Störgrenzwerte für Powerline-Anwendungen in der Norm EN
55022:2006 festgelegt. Diese Norm soll durch eine neue Norm ersetzt werden; ein
Entwurf dazu wurde durch das "Europäische Komitee für elektrotechnische
Normung" (CENELEC) erarbeitet

Der Normentwurf trägt die Bezeichnung FprEN 50561-1. Die in diesem Entwurf
enthaltenen Grenzwerte und die daraus resultierenden möglichen Auswirkungen für
den Hobbyfunk werden derzeit kontrovers diskutiert.

Der Funkamateur Karl Fischer, DJ5IL, vertritt die Auffassung, dass die neue
Norm "in keinem einzigen Punkt den Schutz der Funkdienste vor schädlichen
Störungen verbessern, (sondern) in vielen Punkten sogar verschlechtern" würde.
Der Normentwurf würde "über die gesamte Kurzwelle ca. 35 bis 45 dB höhere
Störpegel" zulassen als die derzeit geltende Norm. DJ5IL hat dazu einen Beitrag
mit dem Titel "Das Trojanischer Pferd der PLC-Lobby: FprEN 50561-1" verfasst,
der im Internet unter http://cq-cq.eu/DJ5IL_rt004d.pdf abgerufen werden kann.

Eine gegensätzliche Auffassung vertritt Thilo Kootz, DL9KCE, der für die
technische Verbandsbetreuung des Amateurfunkverbands DARC verantwortlich ist.
Er meint, dass die Amateurfunkfrequenzen im Normentwurf "ganz hervorragend
geschützt" werden. Sie müssten aus dem PLC-Spektrum "ausgeblendet bzw. mit
mindestens 43 dB gedämpft" werden. Für den Amateurfunk sei die neue Norm
"eindeutig die bessere Wahl". Richtig sei aber auch, dass andere Frequenzen
"mit einem zusätzlichen Störpegel von etwa 30 dB belastet werden, und das im
Umkreis einer PLC-Installation von rund bis zu 300 Metern". (Anmerkung der
Funkmagazin-Redaktion: Zu den von Thilo Kootz genannten "geschützten"
Frequenzen gehört auch der Bereich 26,96 bis 27,41 MHz [Kanal 1 bis 40] des
CB-Funks.)

Abgelehnt wird die neue Norm von Großbritanniens Amateurfunkvereinigung RSGB,
der schweizerischen USKA sowie der deutschen Kurzwellenhörer-Vereinigung ADDX.
Die ADDX hat dazu einen (englischsprachigen) Kommentar verfasst, der unter
www.addx.de/plc/EU-prEN50561-1.pdf zu finden ist. Darin heißt es u.a., der
Normentwurf stelle einen weiteren beklagenswerten Versuch dar,
störungsverursachenden PLC-Geräten den Weg in die Märkte zu ebnen. Der Entwurf
ignoriere die grundlegenden Prinzipien der Kontrolle von Funkstörungen und
würde - wenn er angenommen wird - Powerline-Geräten exklusiv erlauben, sich
über Grenzwerte, die zum Schutz von Funkdiensten geschaffen wurden,
hinwegzusetzen.

Zur Zeit befindet sich der Entwurf beim Normungsinstitut CENELEC im
Abstimmungsverfahren. Die nationalen Normungsgremien der
CENELEC-Mitgliedsländer müssen bis zum 2. November 2012 über den Entwurf
abstimmen. Das nationale Normungsgremium für Deutschland ist die DKE -
zuständig für den Normentwurf ist dort das Unterkomitee 767.17.

- wolf -

Nachtrag: Der Funkamateur Tobis Holzreiter, DF8TH, hat auf der
Internet-Plattform "openPetition" eine (nichtoffizielle) Online-Petition gegen
die Einführung der neuen PLC-Norm eingerichtet. Die Petition ist unter
http://tinyurl.com/Petition-gegen-PLC zu finden.

Update vom 16.10.2012:
Der Ersteller der Petition, Tobias Holzreiter, hat am 15. Oktober 2012 in einem
Brief an das deutsche Normungsgremium DKE gefordert, man möge bei der
Abstimmung bei CENELEC der neuen Norm nicht zustimmen. Tobias Holzreiter hat
seinen Brief unter www.df8th.de/PLC/Schreiben_an_DKE_15-10-2012.pdf
veröffentlicht.

 

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